Vergesellschaftung von Mongolischen Rennmäusen

Allgemeines

Eine Vergesellschaftung (VG) kann aus den verschiedensten Gründen notwendig sein. Neben dem Tod eines Tieres und der Anschaffung eines neuen Partners für das verbleibende Tier können auch ein geglückter Ausbruch aus dem Gehege und eine längere Trennung dazu führen, dass sich Rennmäuse, die bisher zusammen lebten, nicht mehr erkennen.

Aber warum muss man überhaupt schrittweise vergesellschaften? Der Grund dafür liegt im „Sippengeruch“ der Rennmäuse. Eine zusammenlebende Gruppe hat einen ganz eigenen Geruch, über den die Tiere in der freien Wildbahn ihre Familie von Fremden unterscheiden können. Ein anderer Geruch, welcher beispielsweise durch Tierarztbesuche mit nur einem Tier entsteht, führt zur Revierverteidigung und die Maus wird verbissen. In freier Natur kann das Tier meist flüchten, aber im abgegrenzten Gehege führt eine solche Revierstreitigkeit nicht selten zum Tod des unterlegenen Tieres, wenn der Besitzer nicht rechtzeitig eingreift.
Lass dich nicht von der Behauptung irritieren, dass Mongolische Rennmäuse nicht vergesellschaftet werden können. Dies stimmt definitiv nicht! Mit der entsprechenden Vorbereitung, geeigneten Vergesellschaftungsmethoden und Geduld lassen sich alle Tiere an einen neuen Partner gewöhnen.

Am erfolgversprechendsten sind VGs im Verhältnis 1:1. Dies bedeutet, dass zu einer verbliebenen Rennmaus eine andere Rennmaus hinzuvergesellschaftet wird. Das Alter der Tiere spielt dabei nicht unbedingt die entscheidende Rolle für den Erfolg, da auch der Charakter jedes Tieres unterschiedlich ist. Dennoch gilt grundsätzlich, dass die Zusammenführung eines adulten Tieres mit einem noch nicht geschlechtsreifen Jungtier so gut wie immer reibungslos funktioniert. Abstand hingegen sollte man unbedingt davon nehmen, in eine bestehende Gruppe (also ab 2 Tieren) weitere Mäuse zu integrieren. Dies KANN funktionieren, jedoch besteht hier die akute Gefahr, dass die Rennmäuse während des VG-Versuches ernsthaft verletzt werden. Ebenfalls ist es wahrscheinlich, dass Gruppen mit mehr als 2 Mitgliedern wieder auseinander brechen und sich alle Gruppenmitglieder untereinander nicht mehr vertragen.

Bitte wende zur Vergesellschaftung lediglich die hier als geeignet angegebenen Methoden an!

Methoden

Zur Vergesellschaftung gibt es verschiedene Methoden. Manche davon sind erprobt und gut geeignet, andere hingegen sind als Tierquälerei anzusehen und deshalb zu unterlassen. Bitte wende deshalb nur die als geeignet angegebenen Methoden zur Vergesellschaftung an!

UNGEEIGNET SIND:

Panikbox

Panikbox bedeutet, dass die zu vergesellschaftenden Tiere gemeinsam in eine so kleine Box gesetzt werden, dass die Bewegungs- und Ausweichmöglichkeiten so weit wie möglich eingeschränkt werden. Die Hoffnung liegt hier darin, dass sie durch die ungewohnte Situation den fremden Partner „vergessen“ sollen. Die Tiere stehen dabei unter hohem Stress und es besteht immer die Gefahr, dass sich die Mäuse beißen und schwere Verletzungen davontragen.

Panikerzeugung

Ähnlich wie bei der Panikbox wird hier davon ausgegangen, dass Stress und eine ungewohnte Situation die Tiere davon abhält, sich zu beißen. Auf die Möglichkeiten der Stresserzeugung möchten wir hier nicht näher eingehen, um Nachahmer nicht anzuregen. Eine vorsätzliche Stresserzeugung ist Tierquälerei und sollte daher als VG-Methode nicht in Betracht gezogen werden. Die Tiere könnten hierbei sterben.

Wasser

Rennmäuse sind sehr wasserscheu und werden bei Nässe rasch krank, da das Fell seine schützende Wirkung dann nicht mehr entfalten kann. Benutze deshalb kein Wasser – auf welche Art auch immer – zur Vergesellschaftung.

Duftstoffe

Da der Geruch der einzelnen Tiere die entscheidende Rolle bei einer Zusammenführung spielt, könnte man meinen, sie mit einer „Duftstoff-Dusche“ (Parfum, Würzmittel, Öle), welche man auf das Fell aufbringt, austricksen zu können. Das kann zwar funktionieren, fällt aber aufgrund des empfindlichen Geruchssinns von Rennmäusen eindeutig unter Tierquälerei und ist keine Garantie, dass sich nicht doch Beißereien einstellen, sobald der Geruch wieder verflogen ist. Ebenfalls könnten allergische Reaktionen und Hautreizungen aufgrund der Duftstoffe auftreten.

GEEIGNET SIND

Trenngittermethode

Die Vergesellschaftung (VG) mit Trenngitter (TG) ist die sinnvollste, stressfreieste und erfolgversprechendste Methode für die Zusammenführung von Rennmäusen. Dazu braucht man ein separates Vergesellschaftungsaquarium oder ein anderes geeignetes Gehege, welches in der Mitte durch ein Gitter geteilt wird. Geeignet sind Aquarien mit einer Länge von 60 cm. Diese können einfach mittig durch das Gitter geteilt werden, sodass eine Fläche von ca. 30 cm x 30cm entsteht. Größere Aquarien können mit Hilfe eines Brettes in der Länge auf diese Maße gekürzt werden, damit die Tiere sich möglichst oft am Gitter begegnen. Manche Rennmäuse reagieren auf die ständige Begegnung stark verunsichert oder mit gesteigertem Aggressionspotential. In solchen Einzelfällen kann es dann nötig sein, den Platz für die Vergesellschaftung etwas zu erhöhen.

Das Gitter selbst muss natürlich vollkommen durchbruchssicher sein, damit es nicht zu ungeplanten Konfrontationen kommen kann. Bedenke hier, dass Rennmäuse gerne am Gitter hochklettern. Die Möglichkeit des Überkletterns muss deshalb ausgeschlossen sein! Außerdem ist es sinnvoll, das Gitter möglichst engmaschig zu gestalten, damit beispielsweise der Schwanz des einen Tieres nicht hindurchrutscht und vom Gegenüber gebissen wird. Da es anfänglich häufiger zu Aggressionen am Gitter kommt, ist es empfehlenswert für die ersten 2 – 3 Tage auf jeden Fall ein doppeltes Gitter mit einem Abstand von 1cm anzubringen, damit sich die Tiere nicht durch das Gitter hindurch beißen können.

Die Einrichtung während der VG sollte möglichst spärlich sein: wenig Einstreu, etwas Nistmaterial, Futter, Wasser, Pappe zum Nagen und ein Sandbad zur Fellpflege. Die meisten Rennmäuse zeigen sich dankbar, wenn sie zusätzlich einen kleinen Unterschlupf erhalten, um sich zurückziehen zu können. Hierzu eignet sich eine Weidenbrücke oder kleines Häuschen besonders gut. Ebenfalls hat es sich bewährt (trotz des „Einrichtungsverbotes“) ein Laufrad anzubieten. Durch das Laufen können Aggressionen und Anspannungen abgebaut werden. Ziel soll dennoch sein, dass sich die Tiere vorrangig miteinander und nicht mit der Einrichtung beschäftigen.

Sind die Vorbereitungen getroffen, können die beiden Tiere jeweils auf einer Hälfte des Geheges einziehen. Aggressionen am Gitter sind in der Anfangsphase normal, können aber durch das doppelte Gitter nicht zu Verletzungen führen. Aggressives Verhalten ist beispielsweise das Anspringen des Gitters, wenn die andere Maus in der Nähe davon ist, Trommeln und Schwanzschlagen. Das Benagen des Gitters ist nicht eindeutig zuzuordnen, da manche Mäuse aus Aggression, andere aus Langeweile und wieder andere aufgrund ihres Nagetriebes hineinbeißen. Nun tauscht man 1 Mal am Tag die Seiten, jedoch so, dass die Tiere keinen direkten Kontakt zueinander haben. Durch den Seitentausch nehmen beide Mäuse langsam einen gemeinsamen Geruch an und gewöhnen sich an die Gesellschaft. Die Einstreu sowie das Sandbad sollten während der ganzen Zeit nicht ausgetauscht werden, um die Geruchsbildung nicht zu verzögern. Verschmutzter Sand kann leicht mit einem Küchensieb ausgesiebt und wieder eingefüllt werden.

Verstreue das Futter auf beiden Seiten in Gitternähe, sodass die Tiere bewusst das Gitter zum Fressen aufsuchen. Nach 2-3 Tagen sollten sich die Aggressionen am Gitter langsam legen. Ein gutes Zeichen für das Gelingen einer VG sind neugieriges Beschnuppern am Gitter und die Nutzung des Nestes, welches die andere Maus gebaut bzw. vorher genutzt hat. Anfänglich ist es jedoch normal, dass das Nest des anderen Tieres zerstört wird.

Über die Dauer einer VG kann man keine genauen Angaben machen. Die Zeit hängt vom Charakter der Tiere und vom Alter ab. Fakt ist jedoch, dass das Aggressionspotential steigt, je länger die Tiere auf solch beengtem Raum leben müssen. Deshalb liegt die Höchstdauer einer Vergesellschaftung bei 10 bis maximal 14 Tagen. Oftmals können die Tiere bereits früher, z.B. nach 5 (sehr selten) oder 7 Tagen zusammengeführt werden. Für diese Entscheidung ist allerdings ein genaues Beobachten und Einschätzen der Tiere ausschlaggebend. Wenn du dir mit der Einschätzung des Verhaltens deiner Mäuse nicht sicher bist, helfen wir dir gerne dabei. Durch eine genaue Beschreibung oder ein Video lassen sich die typischen Verhaltensweisen oftmals gut einschätzen und beurteilen.
Mongolische Rennmäuse, welche auch nach 14 Tagen am Trenngitter noch deutliche Anzeichen von Aggression zeigen, werden mit ziemlicher Sicherheit nie zueinanderfinden. Hier ist eine Zusammenführung auch meist nicht sinnvoll, da die Aussichten auf Erfolg sehr gering und die Wahrscheinlichkeit von (schweren) Verletzungen sehr hoch sind. Hier sollten die Tiere am besten separiert werden und eine Erholungszeit in voll eingerichteten Gehegen erhalten. Danach kann ein erneuter VG-Versuch mit anderen Partnern gestartet werden.

Hat man den Eindruck, dass die Rennmäuse lange genug am Trenngitter gesessen haben und nicht mehr aggressiv reagieren, empfehlen wir die Zusammenführung auf großen, neutralen Boden, z.B. der Badewanne:

Zusammenführung in der Transportbox (nicht empfohlen)

Die beste Erfahrung haben wir mit einer Zusammenführung in einer kleinen Transportbox oder direkt im VG-Becken gemacht. Diese Methode ist auch ideal zur Zusammenführung einer adulten Rennmaus mit einem Jungtier.

Fülle eine kleine Transportbox (Faunabox), ca. 20 cm x 15 cm knapp zur Hälfte mit der gebrauchten Einstreu des VG-Beckens und geben eine Handvoll Körner und Leckereien dazu. Die Wassergabe erfolgt über wasserhaltiges Gemüse und Salat.
Idealerweise tauscht man einige Stunden vor der Zusammenführung nochmals die Seiten am Trenngitter und füttert die Mäuse. Um aggressives Verhalten unterbinden und reagieren zu können, bißsichere Handschuhe, ein Stück festere Pappe und z.B. einen hölzernen Kochlöffel, mit dem man die Tiere vorsichtig auseinanderschieben kann, bereitlegen. Für eine Zusammenführung sind mindestens 24 Stunden kontinuierliche Überwachung zu gewährleisten. Dann setzt man beide Rennmäuse in die Box und beobachtet sie aufmerksam. Die beiden Rennmäuse bleiben, bei friedlichem Verhalten, 12-24 Stunden in der Transportbox.
Das Verhalten ist genau zu beobachten. Schupsen, Fiepen und Schnuppern (Nase an Nase, aber auch am Hintern) sind völlig normal. Putzen, auch wenn es ruppig eingefordert wird, ist Teil der Rangordnungsklärung und somit auch in Ordnung. Vorsicht, wenn die Rennmäuse mit den Zähnen klappern, sich parallel aufstellen oder sich auf vier Pfoten „groß“ machen. Das sind Anzeichen, auf die eine Eskalation folgen kann. Jagen und „Kugeln“, also ineinander Verknäulen der beiden Rennmäuse, darf nicht zugelassen werden. Unterbinde dies z.B. mit Hilfe der Pappe. Sollten sich aggressive Verhaltensweisen nicht unterbinden lassen, müssen die Rennmäuse getrennt werden und nochmals ein paar Tage zurück ans Trenngitter.

Idealerweise schlafen die Rennmäuse schon nach einigen Stunden zusammengekuschelt. Nach einiger Zeit kann Heu und Stroh zur Beschäftigung gegeben werden.
Im nächsten Schritt werden die beiden Rennmäuse mit der Streu aus der Box zusammen für etwa 72 Stunden zurück auf eine Seite des halbierten VG-Beckens gesetzt, anfangs ohne weitere Einrichtung. Wenn die beiden Mäuse friedlich miteinander umgehen, kann nach einigen Tagen das Gitter entfernt werden. Als Einrichtung werden nur ein Sandbad und das Laufrad angeboten. Manchmal schlafen die Rennmäuse noch für 2 – 3 Tage getrennt, dies ist aber kein Grund zur Sorge solange sie sonst friedlich miteinander umgehen.
Auch der Übergang in das Gehege, in dem die beiden zusammen leben werden, muss schrittweise vorgenommen werden. Auch hier wird anfangs mit Hilfe einer Abtrennung das Platzangebot auf die Hälfte reduziert. Nun folgt eine tägliche und schrittweise Vergrößerung um 10 cm, abgewechselt mit Zugabe eines Einrichtungsgegenstands (Achtung: diese müssen mind. zwei Zugänge haben, um Sackgassen zu vermeiden!). Nach etwa 1 Woche sollten die Rennmäuse dann das komplette und endgültige Habitat zur Verfügung haben. Achte während der ganzen Phase auf aggressives Verhalten, z.B. Jagen oder Verteidigung eines Einrichtungsgegenstandes. In diesem Fall musst du sofort reagieren und die Einrichtung entfernen und das Platzangebot reduzieren.

Zusammenführung im Vergesellschaftungsbecken (nicht empfohlen)

Die andere Möglichkeit ist die Zusammenführung direkt im VG-Becken. Lege dir auch dazu ein Stück Pappe, eine Transportbox und bissfeste Handschuhe bereit. Die Pappe dient dazu, unerwünschtes Jagen zu unterbinden oder Die andere Möglichkeit ist die Zusammenführung direkt im VG-Becken. Lege dir auch dazu ein Stück Pappe, eine Transportbox und bissfeste Handschuhe bereit. Die Pappe dient dazu, unerwünschtes Jagen zu unterbinden oder die Tiere im Falle einer Beißerei rasch trennen zu können. Die Transportbox dient als „Notausgang“, falls sich die Tiere beißen und man eine Maus schnell aus dem Vergesellschaftungsbecken herausnehmen muss. Die Handschuhe sollen deine Hände beim Eingreifen vor Bissen schützen, da Rennmäuse im Fall eines Kampfes keinen Unterschied zwischen Menschenhänden und der feindlichen Maus machen.
Die Zusammenführung erfolgt in der Form, dass das Trenngitter einfach gedreht oder herausgenommen wird. So können sich die Mäuse begegnen, ohne dass ein Tier in das Revier des anderes schlagartig vordringt. Sobald die Mäuse zusammen auf einer Seite des Vergesellschaftungsaquariums sind, wird das Gitter wieder heruntergelassen bzw. wieder eingesetzt, damit die Tiere nur eine Hälfte des Beckens zur Verfügung haben. Entferne vor der Zusammenführung die Einrichtung auf beiden Seiten, d.h. bei der Zusammenführung ist weder ein Laufrad, ein Sandbad noch eine Versteckmöglichkeit vorhanden. Füttere die beiden Mäuse vor der Zusammenführung reichlich, denn mit vollem Magen ist die Laune gleich besser.

Es gelten hier Regeln: Fiepen, Boxen, Zwangsputzen und Schnuppern sind in Ordnung. Jagen und „Kugeln“ darf nicht zugelassen werden. Unterbinde das Jagen nach wenigen Sekunden für einige Augenblicke mit der Pappe bis sich die Tiere wieder beruhigt haben. Sobald sich die Tiere verletzen, müssen sie getrennt werden. Nutze hierzu die Pappe. Sind die Verletzungen nur leicht, können die Mäuse abermals für ein paar Tage zurück ans TG gesetzt werden. Bei tieferen Wunden muss die Vergesellschaftung abgebrochen, die Streu gegen Papiertücher ersetzt und ggf. ein Tierarzt aufgesucht werden.
Im Idealfall läuft die Begegnung ohne Beißerei ab und die Tiere lernen sich – teilweise sehr ruppig – kennen. Nachdem sich die Mäuse soweit beruhigt haben, werden sie nach all der Aufregung etwas schlafen. Es ist hier nicht ungewöhnlich, dass die frisch vergesellschafteten Mäuse vorerst in separaten Ecken ein Nickerchen halten. Biete nun eine Wasserquelle sowie etwas Nistmaterial (Papiertücher, Stroh) und Nagematerial an. Nist- und Nagematerial sollte den Tieren von nun an immer reichlich zur Verfügung stehen, Pappröhren jedoch nur den Länge nach halbiert. Dies vermeidet, dass sich eine Maus darin versteckt und diese als ihr Revier verteidigt. Nach dem ersten Nickerchen ist meist die Aufregung noch einmal groß. Es wird wieder geboxt, gefiept und zwangsgeputzt. Nach 24-48 Stunden werden sich die Mäuse beruhigen und ein Nest teilen. Die Begegnungen werden zunehmend beiläufiger verlaufen. Nach 48 Stunden können Sie einen Unterschlupf und ein Sandbad anbieten. Achte darauf, dass du die Gegenstände mit mindestens 12 Stunden zeitlichem Abstand anbietest und dass der Unterschlupf mehrere Ausgänge hat (ideal wäre eine große Weidenbrücke) à keine Sackgassen!
Nach 72 Stunden kannst du beginnen den Vergesellschaftungsbereich täglich um wenige Zentimeter zu vergrößern und nach und nach Streu hinzuzugeben. Vergrößere z.B. morgens den Bereich und gebe abends eine Hand voll neue Einstreu hinzu. Erst wenn die Tiere friedlich auf der ganzen Fläche des Geheges sitzen, kannst du die restlichen Einrichtungsgegenstände nach und nach hinzugeben. Überstürze nichts, dies könnte zum Zerbrechen der Gruppe führen! Sobald die ganze Einrichtung im Gehege ist, kann die Streu, ebenfalls über mehrere Tage hinweg, aufgefüllt werden. Sollten sich die Tiere nach der Zugabe von Streu oder eines Gegenstandes streiten, entferne diese wieder. Beruhigt auch dies die Gruppe nicht, gehe weitere Schritte zurück bis wieder Ruhe einkehrt.

Über die Erfolgsaussicht einer Vergesellschaftung am Trenngitter bei adulten Tieren kann keine Voraussage getroffen werden, da diese von sehr vielen Faktoren abhängt. Neben dem Alter spielt vor allem der Charakter der Tiere eine Rolle. Es gibt durchaus Mongolische Rennmäuse, welche sich einfach nicht mögen und deshalb auch nicht miteinander vergesellschaftet werden können.

Zusammenführung in der Badewanne (neutraler Boden) (empfohlen)

Nachdem es bei den Zusammenführungsmethoden im Vergesellschaftungsbecken so wie auch bei der Kleinraummethode in der Tranportbox immer wieder zu Misserfolgen kommt, praktizieren und empfehlen wird nun wieder die alte Methode des neutralen Bodens.

In der Transportbox haben einige Rennmäuse einfach Panik aufgrund der Enge und werden dadurch aggressiv was die Zusammenführung scheitern lässt. Im Vergesellschaftungsbecken gehen sie oft viel zu schnell aufeinander los und verknäueln sich bevor man überhaupt einschreiten kann.

Das sind die Vorteile der Zusammenführung auf neutralen Boden:
viel Platz um sich aus dem Weg zu gehen, für Beide ist es neuer, neutraler Boden den man jetzt nicht unbedingt aufs schärfste Verteidigen muss.

Diese Methode empfiehlt sich auf für das direkte Zusammensetzen bei Vergesellschaftungen mit einem noch nicht geschlechtsreifen Jungtier.

So, aber nun zur Vorgehensweise:

Du legst in die Badewanne ein großes Handtuch oder einen Teppich, stellst ein Laufrad rein und verstreust ein paar Körnchen und Leckerlis. Futtern ist immer entspannend und lenkt ab und beim Radeln werden Anspannungen abgebaut. Wenn du siehst dass es wegen dem Laufrad Probleme gibt, dann stelle ein zweites dazu.

Selber „bewaffnest“ du dich mit einem Pfannenwender oder ähnlichen um die Rennmäuse bei kritischen Situationen auseinanderschieben zu können. Dann setzt du nun beide Rennmäuse in jeweils verschiedene Seiten der Badewanne und beobachtest. Die ersten 2 – 3 Begegnungen erst mal vorsichtig wieder auseinander schieben um mal den ersten Druck rauszunehmen. Aufpassen muss man bei seitlichen Begegnungen und wenn sich die Fellhaare aufstellen. Dann sollte man die Rennmäuse schnell auseinander schieben. Bekommt man den Eindruck dass es zu hektisch und kritisch wird, die Kontrahenten einfach wieder für 1 – 2 Tage zurück ans Trennmittel.

Auch hier kommt es gelegentlich zu kurzen, schnellen Verknäueln, was man aber meist schnell wieder trennen kann. Nur wenn sie sich danach gleich wieder übereinander her machen gibt man sie wieder zurück ans Trenngitter.

Nun lässt man die Beiden einfach rumlaufen, sich begegnen und sich kennenlernen. Es wird geradelt, Körnchen geknuspert (nach der ersten Aufregung kann man dann auch einen Wassernapf reinstellen) und sich fleißig beschnuppert. Sie werden dann auch schon mal müde und ruhen sich in einer Ecke was aus. Idealerweise lässt man sie dann 2 – 3 Stunden oder mehr da drin bevor man sie dann wieder gemeinsam zurück ins Vergesellschaftungsbecken gibt. Dort sollte man den ersten Tag aber nur verringerte Grundfläche zur Verfügung stellen. Idealerweise verkleinert man direkt das Hauptgehege um ihnen dann kontinuierlich mehr Platz und Einrichtung zu geben.

Die Einzelhaltung ist für eine Rennmaus keine Option! 

Vergesellschaftung einer adulten Rennmaus mit einem Jungtier

Bei der Vergesellschaftung eines adulten Tieres mit einem noch nicht geschlechtsreifen Jungtier hat sich die oben beschriebene Badewannenmethode bewährt. Weibliche Jungtiere werden zwischen der 8. und 10. Lebenswoche geschlechtsreif, männliche Jungtiere zwischen der 10. und 12. Lebenswoche. Da die noch nicht geschlechtsreife junge Maus noch keinen ausgeprägten Eigengeruch und kein Dominanzverhalten hat, wird sie meist vom älteren Tier problemlos angenommen. Wenn du diese Methode anwendest, solltest du dir sicher sein, dass deine Altmaus nicht aggressiv reagiert, denn eine junge Maus hat einem ausgewachsenen Tier nicht viel entgegenzusetzen und kann bei einem Angriff schwer verletzt oder gar getötet werden! Jedoch haben wir hier sehr gute Erfahrungen gemacht.

So gehst Du vor:

Zuerst muss ein geeigneter Ort für die Vergesellschaftung gefunden werden. Wir empfehlen die Badewannenmethode auf neutralen Boden. 

Zusammenführung in der Badewanne:

Du gehst genauso vor wie oben beschrieben. Gibst zuerst das Jungtier und anschl. die adulte Rennmaus in die Badewanne. Fange die adulte Maus behutsam ein. Dies geht am stressfreisten in einer größeren Pappröhre, in einer tiefen Schüssel oder einer tiefen Tasse. Setze nun die Altmaus zur Jungmaus in den Vergesellschaftungsbereich. Wenn sich die beiden nun begegnen, wird die Jungmaus durch Fiepen und durch Unterwerfungsgesten signalisieren, dass das adulte Tier vor ihr nichts zu befürchten hat. Ein gut sozialisiertes Alttier wird die Jungmaus durch Schnüffeln an der Nase, am Bauch und am Hintern unter die Lupe nehmen. Ein gut sozialisiertes Jungtier lässt dies beinahe regungslos über sich ergehen und kommentiert das Vorgehen nur durch gelegentliches Fiepen. Ängstlichen oder nicht ausreichend sozialisierten Jungtieren wird dieses Unterfangen unheimlich sein. Wenn das Jungtier deshalb flüchtet, könnte das Alttier zum Jagen animiert werden. Gejagt werden darf, jedoch nicht lange. Dauert das Jagen zu lange an, könnte dies die ganze Situation nur unnötig aufheizen. Falls die Jungmaus von der Altmaus gejagt wird, unterbreche dies nach wenigen Sekunden mit der Pappe oder Pfannenwender für einen Augenblick. Es kann sein, dass du dies einige Male tun musst. Nach einer Stunde etwa sollte sich die Situation soweit beruhigt haben, dass sich die beiden Mäuse ohne größeres Aufheben begegnen können. Die ältere Maus signalisiert nun gelegentlich ihre Dominanz, in dem sie das jüngere Tier mit der Duftdrüse markiert, es auf den Rücken dreht und zwangsputzt. Das jüngere Tier beschwichtigt das ältere durch Fiepen, durch Schnüffeln an der Nase, Putzen und durch das Herunterdrücken des Kopfes mit den Vorderpfoten. Nachdem sich die Mäuse soweit beruhigt haben, werden sie nach all der Aufregung etwas schlafen. Es ist hier nicht ungewöhnlich, dass Jung- und Alttier vorerst in separaten Ecken ein Nickerchen halten.

Idealerweise lässt man sie dann 2 – 3 Stunden oder mehr da drin bevor man sie dann idealerweise  in das verkleinerte Hauptgehege setzt, um ihnen dann kontinuierlich mehr Platz und Einrichtung zu geben. Man bietet natürlich nun eine Wasserquelle sowie etwas Nistmaterial (Papiertücher, Stroh) und Nagematerial an. Nist- und Nagematerial sollte den Tieren von nun an immer reichlich zur Verfügung stehen. Nach 24-48 Stunden werden sich die Mäuse ein Nest teilen und die Begegnungen werden zunehmend beiläufiger verlaufen. Nach 24 Stunden kannst du einen Unterschlupf und ein Sandbad anbieten. Achte darauf, dass die Gegenstände mit mindestens 12 Stunden zeitlichem Abstand angeboten werden und dass der Unterschlupf mehrere Ausgänge hat (ideal wäre eine große Weidenbrücke).
Nach 48 Stunden kann man beginnen den Vergesellschaftungsbereich täglich um wenige Zentimeter zu vergrößern und nach und nach Streu hinzuzugeben. Vergrößere z.B. morgens den Bereich und gebe abends eine Hand voll neue Einstreu hinzu. Erst wenn die Tiere so nach einer Weile auf der ganzen Fläche des Geheges sitzen, kann man die restlichen Einrichtungsgegenstände nach und nach hinzugeben. Überstürze dabei nichts, dies könnte zum Zerbrechen der Gruppe führen! Sobald die ganze Einrichtung im Gehege ist, kann die Streu, ebenfalls über mehrere Tage hinweg, aufgefüllt werden. Sollten sich die Tiere nach der Zugabe von Streu oder eines Gegenstandes streiten, entferne diesen wieder. Beruhigt auch dies die Gruppe nicht, gehe weitere Schritte zurück bis wieder Ruhe einkehrt.

Bitte versuche im Zweifel erst das TG, um so mögliche Aggressionen schneller erkennen zu können ohne dass die Tiere einander schaden. Aber bitte denkt auch daran wie sich das Jungtier fühlen muss, plötzlich weg von Mutter und Geschwister, aus der gewohnten Umgebung gerissen. Stress und Angst alleine in der Transportbox, dann neue , fremde Umgebung. Dann noch einige Tage allein am Trenngitter muss für so ein kleines Lebewesen der absolute Horror sein. Deswegen ist es gut wenn sie dann die Adulte Rennmaus hat die sie beschützt. 

Aber keine Angst, eine Vergesellschaftung von Adult zu Jungtier ist in der Regel keine große Sache und klappt zu 99%, wenn du dich an die hier genannten Tipps hältst.

Vor allem bei sehr alten Rennmäusen raten wir zu einer Jungtier-Vergesellschaftung, da dies im Vergleich zu einer langwierigen Trenngitter-Vergesellschaftung weniger Stress für das alte Tier bedeutet. Diese zerrt doch sehr an den Kräften der Senioren-Maus. Auch wenn wir im Allgemeinen zu einer 1 zu 1 Vergesellschaftung raten, empfehlen wir bei sehr alten Rennmäusen direkt zu einer Zusammenführung mit 2 Jungtieren. Dies hat zwei wichtige Gründe:

Zuerst einmal ganz pragmatisch: Wenn das alte Tier in einigen Wochen oder wenigen Monaten verstirbt, verbleiben zwei Rennmäuse und man muss nicht direkt wieder vergesellschaften. Die Jungtiere sind dann meist einige Monate alt und gerade in der Flegelphase. Einzeln würde sich die Rennmaus in der Flegelphase nur erschwert vergesellschaften lassen.

Der zweite Grund ist, dass eine junge, agile Rennmaus das Alttier, das mehr Ruhephasen braucht, schnell auch mal „nerven“ kann, wenn es spielen will während der Senior sich ausruhen möchte. Umgekehrt ist das Jungtier dann gelangweilt wenn es allein ist, während die Senior-Rennmaus schläft. So können die beiden Jungtiere sich miteinander austoben, während sich der Senior die Ruhe gönnt.

Fazit

Setze niemals zwei fremde Rennmäuse, auch wenn sie verwandt sind, „einfach so“ zusammen! Eine VG ist zwar zeitaufwendig, rettet dadurch aber Leben und führt fast immer zum Erfolg. Wenn du Zweifel hast, stehen wir von Glückliche Nager gerne beratend zur Seite oder übernehmen die Vergesellschaftung für dich und deine Tiere. Scheue dich nicht vor dieser Aufgabe, denn dein neues Rennmausteam wird es dir danken!

Am wichtigsten ist, dass man bei Vergesellschaftungen besonnen und ohne Hektik vorgeht. Dies dauert mitunter etwas länger, ist aber dennoch eine lohnenswerte Investition in das Wohlbefinden und in die Gesundheit deiner Tiere. Lasse dich nicht von den kursierenden Schauerberichten abschrecken, diese gründen meist auf nicht tiergerechten oder falschen Vergesellschaftungsversuchen.

Du bist dir bei der Vergesellschaftung unsicher? Gerne beraten wir dich vorab, nimm einfach Kontakt zu uns auf!

(c) Text: Karina Brunner + Glückliche Nager

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